Neuer Kunde, neue Domain oder ein Ranking, das seit drei Monaten abgerutscht ist, ohne dass jemand erklären kann, warum. In allen drei Fällen beginnt die Arbeit am selben Punkt: mit einem Blick auf das Linkprofil. Ein Backlink Audit zeigt, welche externen Links auf eine Website zeigen, welche davon Rankings stützen, welche schaden und wo Potenzial liegen geblieben ist.
Dieser Leitfaden führt in fünf Schritten durch den kompletten Prozess, vergleicht die wichtigsten Tools und endet mit einer Checkliste zum Abhaken. Dazu kommt eine Tabelle mit typischen Funden, die sich direkt in einen Maßnahmenplan übersetzen lässt. Backlinks bleiben auch 2026 ein Signal, das Google zur Bewertung von Websites heranzieht. Wer sein Linkprofil nicht kennt, optimiert deshalb im Blindflug.
Was ist ein Backlink Audit?
Ein Backlink Audit ist die systematische Analyse aller externen Links, die auf eine Website verweisen, mit dem Ziel, Qualität, Relevanz und Risiko jedes einzelnen Links zu bewerten. Aus der Bestandsaufnahme entsteht am Ende eine priorisierte Liste mit Maßnahmen. Einfach klingt das, in der Umsetzung stecken aber mehrere Ebenen.
Ein vollständiger Audit liefert vier Arten von Ergebnissen:
- Schädliche oder spammige Links, die Rankings wahrscheinlich bremsen
- Ankertext-Ungleichgewichte, die das Risiko einer manuellen Maßnahme erhöhen
- Verlorene Linkgeber, die früher Linkkraft weitergegeben haben und es nicht mehr tun
- Wettbewerbslücken, also Links, die Mitbewerber haben und die eigene Seite nicht
Das Entwerten von Links ist dabei nicht der Kern der Sache. Bei den meisten gründlichen Audits zeigt sich, dass die wichtigste Maßnahme im Aufbau, in der Rückgewinnung oder in der gezielten Suche nach Links besteht. Das Disavow-Tool bleibt für eine kleine Gruppe wirklich problematischer Domains reserviert, die sich per Kontaktaufnahme nicht entfernen lassen.
Der Unterschied zur reinen Linkprofil-Analyse ist schnell erklärt. Die Analyse beschreibt, wie das Profil aussieht. Der Audit geht weiter: Er stellt eine Diagnose, bewertet Risiken und endet in einer To-do-Liste.
Empfohlen
- Neuer Kunde oder neue Domain übernommen
- Traffic oder Rankings fallen ohne technische Ursache
- Benachrichtigung über eine manuelle Maßnahme in der Search Console
- Deutliche Ranking-Verschiebung nach einem Core Update
- Domainkauf mit unbekannter Link-Historie
Vermeiden
- Nicht mit Einzellinks starten, bevor das Gesamtbild geprüft ist
- Nicht entwerten, bevor Entfernung angefragt und zwei bis drei Wochen gewartet wurde
- Keine Links entwerten, die Google ohnehin ignoriert
- Hohen DR ohne organischen Traffic nicht als gutes Zeichen werten
Wann ist ein Backlink Audit sinnvoll?
Ein Backlink Audit ist immer dann sinnvoll, wenn Rankings unerklärlich gesunken sind, eine Abstrafung durch Google droht oder vermutet wird, eine bestehende Domain übernommen wurde oder ein neues Kundenprojekt startet. Einige Ereignisse rechtfertigen einen sofortigen Audit, egal wann der letzte stattgefunden hat:
- Übernahme eines neuen Kunden oder einer neuen Domain
- Rückgang bei Traffic oder Rankings ohne erkennbare technische Ursache
- Eine Benachrichtigung über eine manuelle Maßnahme in der Google Search Console
- Deutliche Ranking-Verschiebungen nach einem Core Update
- Kauf einer Domain, deren Link-Historie unbekannt ist
- Ein Relaunch oder Domainumzug, bei dem alte URLs verändert wurden
Für die laufende Pflege hat sich ein Quartalsrhythmus bewährt. Monatlich lohnt der Audit in umkämpften Branchen und in Themenfeldern, die häufig Ziel von Negative-SEO-Versuchen sind, etwa Finanzen, Gesundheit oder Glücksspiel-Umfeld. Als Faustregel reicht für den Monatscheck eine schlanke Variante: nur die neuen Linkgeber der letzten 30 Tage ziehen, offensichtlichen Spam herausfiltern, Auffälliges markieren. Steht der Datenfluss einmal, dauert das unter 15 Minuten.
Wie lange der erste vollständige Audit braucht, hängt von der Größe des Profils ab. Nach Erfahrungswerten dauert er bei Websites mit weniger als 5.000 verweisenden Domains zwischen 30 und 90 Minuten. Größere Profile, bekannte Abstrafungen oder komplizierte Weiterleitungsstrukturen können zwei bis vier Stunden kosten. Jeder Folgeaudit geht schneller, weil die Basis schon steht.
Prüfe jede Domain im kostenlosen Domain Rating Checker von LinkForce.
Backlink Audit Schritt für Schritt: Der komplette Prozess
Ein Backlink Audit läuft in fünf Schritten ab: Datenbasis aus mehreren Quellen aufbauen, Linkqualität bewerten, schädliche Links identifizieren, die Ankertext-Verteilung prüfen und Maßnahmen priorisieren. Die Reihenfolge ist Absicht. Wer gleich in einzelne Links eintaucht, verliert den Blick dafür, ob das Profil überhaupt ein Problem hat.
Schritt 1: Datenbasis aufbauen und das Gesamtbild prüfen
Kein Tool kennt alle Links. Deshalb besteht die Datenbasis aus mindestens zwei Quellen: einem crawlbasierten Backlink-Tool wie Ahrefs, Semrush oder Majestic und der Google Search Console. Die Search Console zeigt, was Google selbst gesehen hat, die Drittanbieter liefern den größeren Index und Vergleichsdaten. Beides zusammen ergibt ein belastbareres Bild als jede Quelle allein. Vor dem Start sollte die Domain in der Search Console verifiziert sein, denn Details zu manuellen Maßnahmen sehen nur verifizierte Inhaber.
Danach folgt der Blick auf das große Ganze, noch ohne einzelne Links. Für die eigene Domain und die drei stärksten organischen Wettbewerber werden drei Zahlen gezogen:
- Anzahl der verweisenden Domains (nicht der rohen Backlinks, denn mehrere Links derselben Domain zählen in den meisten Tools als eine Domain)
- Domain Rating (Ahrefs) oder Authority Score (Semrush)
- Linkzuwachs und Linkverlust der letzten sechs Monate
Ein Beispiel macht den Nutzen klar. Hat die eigene Seite 180 verweisende Domains und die drei Plätze davor kommen auf 900, 1.400 und 2.100, ist die Ursache schon vor dem ersten Einzellink gefunden: Es fehlt an Links. Der Audit bleibt wichtig, der Maßnahmenplan verschiebt sich aber in Richtung Linkaufbau statt Aufräumen. Wer das früh weiß, verbringt keine drei Stunden mit Disavow-Listen, wenn eigentlich Prospecting ansteht.
Ein Linkrückstand dieser Größe ist die Hauptbremse beim Ranking. Als Nächstes lohnt ein Diagramm der neuen und verlorenen verweisenden Domains über zwölf Monate. Gesundes Wachstum zeigt stetigen organischen Zugewinn mit normaler Fluktuation. Auffällig sind zwei Muster. Das erste ist ein plötzlicher Sprung: 300 neue Domains innerhalb einer Woche, wo vorher fünf pro Woche üblich waren. Das kann ein viraler Beitrag sein, aber auch der Beginn eines Negative-SEO-Angriffs. Das Diagramm klärt die Ursache nicht, es zeigt nur, dass genauer hingesehen werden muss. Das zweite Muster ist ein langsamer Schwund ohne Änderung bei Content oder Outreach. Dahinter stecken oft eingestellte Linkgeber-Seiten oder entfernte Links.
Typische Hinweise auf Negative SEO sind:
- Viele neue Links, die sich auf wenige Stunden oder Tage zusammendrängen
- Links von Casino-, Pharma- oder Erotik-Domains ohne thematischen Bezug
- Exakte Money-Keyword-Anker in großer Zahl von erkennbar unpassenden Seiten
- Mehrere Links aus demselben IP-Bereich, ein typischer Fußabdruck von Linknetzwerken
Echte Angriffe sind seltener, als in der SEO-Szene oft vermutet wird. Sie kommen vor, und die Spur zeigt sich zuerst im Linkzuwachs. Wer ein Muster erkennt, setzt die betroffenen Domains zügig auf die Disavow-Liste, statt jeden Link einzeln zu prüfen. Bei einem großen Spam-Schub zählt Tempo mehr als Präzision.
Schritt 2: Linkqualität bewerten
Jetzt geht es um die einzelnen Linkgeber. Ziel ist, die verweisenden Domains in drei Gruppen zu sortieren: eindeutig wertvoll, problematisch und prüfungsbedürftig. Bei mehreren tausend Domains prüft niemand alles von Hand, Filter übernehmen die Menge.
Drei Signale entscheiden, ob eine Domain echten Wert liefert:
- Domain-Qualität: Ist der Linkgeber eine echte, aktive Website mit eigenem organischem Traffic? Eine Domain mit DR 45 und 12.000 monatlichen Besuchern ist etwas völlig anderes als eine Domain mit DR 45 und null Traffic. Letztere ist häufig ein Linkverkaufs-Portal oder ein aufgeblähtes Projekt. Die Kennzahl ist gleich, der Wert nicht.
- Thematische Relevanz: Behandelt die verlinkende Seite dasselbe oder ein angrenzendes Thema? Ein Link aus einem Technik-Blog auf ein SaaS-Unternehmen passt. Ein Link aus einem Angelforum auf dieselbe Firma passt nicht, egal wie hoch der Autoritätswert der Domain ist.
- Platzierung: Steht der Link redaktionell im Fließtext oder im Footer, in der Sidebar oder in einem erkennbar bezahlten Bereich? Redaktionelle Links wirken stärker und bergen weniger Risiko. Sitewide-Links im Footer sind oft weniger wert, als sie auf den ersten Blick aussehen.
Für die Vorauswahl hat sich ein Filter bewährt, der Domains zur manuellen Prüfung markiert:
Signal Markieren, wenn Domain Rating unter DR 10 Organischer Traffic null Traffic in Ahrefs oder Semrush Sprache Seitensprache passt nicht zur Zielgruppe, etwa russisch- oder chinesischsprachige Seiten bei einem deutschen Onlineshop Themenumfeld Casino, Pharma, Erotik oder völlig fremde Branchen Linktyp Webverzeichnisse, Artikelverzeichnisse, Forenprofile und Kommentarlinks im Massenformat Ankertext exakter Money-Keyword-Anker bei jedem Link dieser Domain Nicht jede markierte Domain ist ein Problem. Der Filter erzeugt eine überschaubare Prüfliste, die Entscheidung bleibt Handarbeit. Wer die Domain-Werte vieler Linkgeber schnell nebeneinander sehen will, findet beim Domain Rating Checker von LinkForce eine kostenlose Hilfe, die bis zu 200 URLs auf einmal prüft.
Schritt 3: Toxische und verschwendete Links finden
Neben der Qualität einzelner Domains gibt es strukturelle Spam-Muster. Manche Linknetzwerke sind so groß, dass sich die Einzelprüfung nicht lohnt. Dann zählt das Muster, nicht die Domain. Drei Signale tauchen immer wieder auf:
- TLD-Konzentration: Ein ungewöhnlich hoher Anteil der Links stammt von Endungen, die in Spam-Netzwerken verbreitet sind (zum Beispiel .xyz, .top, .click oder .men), ohne dass Inhalt oder Zielgruppe das erklären.
- IP-Clustering: Mehrere verweisende Domains liegen im selben /24-Subnetz. Das ist ein typischer Fußabdruck privater Blognetzwerke (PBNs).
- Gemeinsamer Fußabdruck: Dünne Inhalte, Keyword-Domains, identische Seiten-Templates und keine erkennbaren Autoren, und zwar gleichzeitig über eine ganze Gruppe von Linkgebern hinweg.
Als Faustregel gilt: Zwei sich überschneidende Signale bei einer Domain sind ein verlässlicher Anlass, eine Entfernung anzufragen. Bei drei Signalen kommt die Domain ohne weitere Prüfung auf die Disavow-Liste.
Ein zweites Thema in diesem Schritt sind verschwendete Backlinks. Fast jede Website mit etwas Geschichte hat welche. Gemeint sind Links, deren Linkkraft ihr Ziel nicht erreicht, weil die Zielseite nicht mehr funktioniert oder der Weiterleitungsweg Kraft verliert. Drei Muster treten häufig auf:
- Links auf 404-Seiten: Die Zielseite wurde ohne Weiterleitung gelöscht, die Linkkraft verpufft.
- Links über Weiterleitungsketten: Mit jeder zusätzlichen Weiterleitung geht Wert verloren, bei drei oder mehr Stationen oft ein großer Teil.
- Links auf Seiten mit Canonical zu einer anderen URL: Die Seite wird besucht, die Linkkraft geht aber an die kanonische URL.
So lässt sich das praktisch lösen: Alle verweisenden Domains auf 404-Seiten exportieren, nach DR sortieren und alles ab DR 40 als Priorität für die Rückgewinnung notieren. In Ahrefs liefert der Bericht „Best by Links“ mit dem Filter auf den HTTP-Status 404 genau diese Liste.
Schritt 4: Ankertext-Verteilung prüfen
Ein natürliches Ankertext-Profil besteht überwiegend aus Markennamen, nackten URLs und generischen Phrasen wie „hier“ oder „mehr erfahren“. Dazu kommt ein kleinerer Anteil teilweise passender und exakt passender Keyword-Anker. Das genaue Verhältnis hängt von Branche, Seite und der bisherigen Linkaufbau-Strategie ab.
Zum Problem wird Überoptimierung. Teilen sich sehr viele Links denselben exakten Keyword-Anker, sieht das für Googles Spam-Team nach Manipulation aus. Zwanzig Links mit dem Anker „günstige Webseite erstellen lassen“ von thematisch unverbundenen Seiten sind nicht natürlich, sie sind ein Fußabdruck.
Hinweise auf ein überoptimiertes Profil:
- Mehr als 15 bis 20 Prozent aller Links teilen sich einen einzigen exakten Keyword-Anker (ein Erfahrungswert, kein offizieller Grenzwert)
- Ein Schwung neuer Links von unverbundenen Domains mit identischem Ankertext
- Exakte Keyword-Anker konzentrieren sich auf die schwächsten Platzierungen im Profil
Die Lösung ist fast nie die Entwertung. Sicherer und langfristig besser ist es, neue Links mit Marken-, URL- und generischen Ankern aufzubauen, bis der überoptimierte Anteil verdünnt ist. Einzelne exakte Anker per Disavow auszuschließen, bewegt in der Regel wenig. Zur Auswertung der eigenen Verteilung bietet LinkForce einen kostenlosen Anchor Text Analyzer, der den Mix aus Marken-, exakten und generischen Ankern sichtbar macht.
Schritt 5: Maßnahmen ableiten und priorisieren
Am Ende von Schritt 1 bis 4 liegen mehrere Listen vor. Daraus entsteht der eigentliche Wert des Audits: drei Maßnahmenlisten, die sich nach Hebel sortieren lassen.
- Entfernen oder entwerten: schädliche Linkgeber, bei denen eine Entfernung angefragt und im Zweifel Disavow eingesetzt wird
- Zurückgewinnen: verlorene Links und Links auf 404-Seiten
- Aufbauen: Wettbewerbslücken und warme Linkgeber für weitere Links
Welche Liste zuerst drankommt, ergibt sich aus Schritt 1. Ein kleines Profil mit großem Linkrückstand braucht den Aufbau. Ein Profil mit plötzlichem Spam-Schub braucht zuerst die Bereinigung. Mehr dazu im Abschnitt zur Umsetzung weiter unten.
Die besten Tools für den Backlink Audit im Vergleich
Für einen vollständigen Backlink Audit eignen sich die Google Search Console (kostenlos), Ahrefs, Semrush, Majestic und Seobility. Idealerweise werden mindestens zwei kombiniert, weil keine Datenbank alle Links kennt. Ein crawlbasiertes Tool plus die Search Console deckt den Audit aber bereits ab. Drei Abos sind nicht nötig.
| Tool | Stärke | Kosten | Besonders geeignet für |
|---|---|---|---|
| Google Search Console | Daten direkt von Google, zeigt, was Google tatsächlich gesehen hat | kostenlos | Abgleich vor Disavow-Entscheidungen, Prüfung manueller Maßnahmen |
| Ahrefs (Site Explorer) | Großer Linkindex, starker Wettbewerbsvergleich, Trenddiagramme | kostenpflichtig | Wettbewerbsvergleich, Linkzuwachs-Analyse, 404-Berichte |
| Ahrefs Webmaster Tools | Eigene Seite mit Backlink-Daten und Site Audit | kostenlos für verifizierte Websites | Einstieg ohne Budget |
| Semrush (Backlink Audit) | Eingebaute Bewertung toxischer Links mit Outreach-Workflow | kostenpflichtig | Aufräumen und Entfernungs-Anfragen an einem Ort |
| Majestic | Eigener Index mit Trust Flow und Citation Flow | kostenpflichtig | Zweite Meinung zur Linkqualität |
| Seobility | Backlink-Checker für eine schnelle erste Einschätzung | Basisfunktionen kostenlos | Erster Überblick für kleine Seiten |
Preise stehen bewusst nicht in der Tabelle, weil sie sich ändern. Die aktuellen Tarife stehen jeweils auf der Anbieterseite.

Die Search Console ist auch dann Pflicht, wenn ein Premium-Tool im Einsatz ist. Ihre Daten stammen aus dem Crawl von Google selbst. Drittanbieter haben große Indizes, bleiben aber Näherungen. Für Einsteiger ist die Kombination aus Search Console und Ahrefs Webmaster Tools der günstigste Weg zu einer belastbaren Datenbasis. Wer Wettbewerber vergleichen und Trends auswerten will, kommt an einem kostenpflichtigen Plan von Ahrefs oder Semrush kaum vorbei.
Nach dem Audit: Maßnahmen richtig umsetzen
Nach einem Backlink Audit werden Maßnahmen in drei Kategorien priorisiert: schädliche Links entfernen oder entwerten, verlorene Links zurückgewinnen und Lücken gegenüber Wettbewerbern schließen. Genau diese Roadmap fehlt in vielen Anleitungen, die nach der Analyse aufhören.
Toxische Links: Erst Entfernung anfragen, dann Disavow
Es gibt zwei Stufen, und die Reihenfolge ist wichtig. Direkt mit dem Disavow zu beginnen, ist der häufigste Fehler bei der Link-Bereinigung.
Stufe 1 ist die Kontaktaufnahme. Bei jeder Seite, die nach einer echten, aktiven Website aussieht, geht zuerst eine Bitte um Entfernung an den Betreiber. Kontaktdaten stehen bei deutschen Seiten meist im Impressum. Die Nachricht kann kurz sein:
Betreff: Bitte um Entfernung eines Links auf beispiel-shop.de
Guten Tag, ich betreue die Website beispiel-shop.de und bitte um Entfernung des Links auf Ihrer Seite [URL der Seite]. Es handelt sich um den Link mit dem Text „[Ankertext]“, der auf [Ziel-URL] verweist. Vielen Dank vorab und freundliche Grüße
Datum, URL und Antwortstatus jeder Anfrage gehören in eine Tabelle. Nach zwei bis drei Wochen folgt Stufe 2 für alle Domains, die nicht reagiert oder abgelehnt haben.
Stufe 2 ist die Entwertung über das Disavow-Tool. Googles Hinweise sind eindeutig: Das Tool ist ein letztes Mittel für unnatürliche Links, die sich nicht entfernen lassen, kein Werkzeug für proaktives Aufräumen. Google wertet einen großen Teil schlechter Links seit dem Penguin-Update 4.0 im Jahr 2016 von sich aus ab. Eine Disavow-Datei für Links, die Google ohnehin ignoriert, bringt nichts und erzeugt nur eine Datei, die gepflegt werden muss.
Ist ein Disavow gerechtfertigt, gilt für die Datei:
- Eine Angabe pro Zeile, als reine Textdatei (.txt)
- `domain:beispiel.de` entwertet alle Links einer Domain
- Eine vollständige URL entwertet nur diesen einen Link
- Kommentare beginnen mit `#`
- Hochgeladen wird die Datei im Disavow-Tool von Google, für das die passende Property ausgewählt werden muss
Wer die Datei nicht von Hand bauen möchte, nutzt den kostenlosen Disavow File Generator von LinkForce, der eine Datei im von Google akzeptierten Format erzeugt. Liegt bereits eine manuelle Maßnahme vor, folgt nach Disavow und dokumentierter Kontaktaufnahme der Antrag auf erneute Überprüfung in der Search Console.
Verlorene Links zurückgewinnen
Verlorene und kaputte Backlinks sind die schnellsten Link-Erfolge, die ein Audit liefert. Der Betreiber hat sich einmal entschieden, zu verlinken. Es geht also nicht um einen Gefallen, sondern um eine Korrektur. In dieser Reihenfolge lohnt sich die Abarbeitung:
- Linkgeber mit hohem DR, die auf 404-Seiten der eigenen Domain zeigen. Die fehlende Seite wiederherstellen oder per 301 auf die nächstpassende Live-Seite weiterleiten. Sobald das Ziel erreichbar ist, kommt die Linkkraft an. Eine Kontaktaufnahme ist nicht nötig.
- Redaktionelle Links auf Seiten, die umgezogen sind. Den Betreiber der verlinkenden Seite bitten, die URL zu aktualisieren. Die meisten Redakteure beheben einen toten Link gern, weil es ihre Seite besser macht.
- Domains, die auf eine nicht mehr betriebene Property zeigten. Ist die Domain frei und das Linkprofil stark genug, kann sich der Rückkauf lohnen.
Für die Anfrage bei 404-Links gilt: kürzer ist besser.
Betreff: Kurze Frage zu einem Link auf Ihrer Seite
Guten Tag, auf [URL der Seite] gibt es einen Link auf [defekte URL] bei mir. Die Seite ist umgezogen und jetzt unter [neue URL] erreichbar, mit demselben Inhalt. Wären Sie bereit, den Link anzupassen? Vielen Dank und freundliche Grüße
Linkbuilding-Lücken schließen
Ein Audit erzeugt nebenbei die treffsicherste Prospect-Liste, die sich aufbauen lässt, weil jede Quelle schon gezeigt hat, dass sie in der Nische oder einer angrenzenden verlinkt. Drei Quellen liefert der Audit direkt:
- Backlink-Lücke zum Wettbewerb. Verweisende Domains exportieren, die auf die zwei stärksten Wettbewerber zeigen, aber nicht auf die eigene Seite. Nach DR und organischem Traffic filtern, danach nach thematischer Nähe sortieren. Die Vorarbeit hat die Link-Historie des Wettbewerbers bereits erledigt, deshalb ist diese Liste verlässlicher als Kaltakquise.
- Starke Domains im eigenen Profil. Wer einmal verlinkt hat, ist ein warmer Kontakt für einen zweiten Link auf eine andere Seite. Domains ab DR 40 lassen sich auf Inhaltslücken prüfen, an denen ein weiterer redaktioneller Link natürlich passen würde.
- Kürzlich verlorene Linkgeber. Domains, die in den letzten sechs Monaten einen Link entfernt haben, sind einen Versuch wert, vor allem wenn der Link bei einem Relaunch der Seite verloren ging und nicht durch eine redaktionelle Entscheidung.
Zur Priorisierung zählen Domain Rating, organischer Traffic und thematische Nähe zusammen. Eine DR-50-Seite mit 30.000 Besuchern im Monat in der eigenen Nische ist ein besseres Ziel als eine DR-70-Seite ohne Traffic in einem fremden Bereich. Hoher DR ohne Besucher deutet oft darauf hin, dass die Domain vor allem für den Linkverkauf gebaut wurde.
Reihenfolge der Maßnahmen im Überblick:
- Akute Risiken zuerst: Spam-Schub oder manuelle Maßnahme
- Schnelle Gewinne: 404-Links mit hohem DR per Weiterleitung retten
- Entfernung angefragt, nach zwei bis drei Wochen Disavow für Nicht-Reagierende
- Ankertext-Mix durch neue Marken- und URL-Anker verbessern
- Wettbewerbslücken und warme Linkgeber in den Outreach geben
Typische Funde im Backlink Audit und welche Maßnahme folgt
Echte Audits liefern unordentlichere Ergebnisse als die Beispiele in Lehrbüchern. Die folgende Tabelle zeigt sechs häufige Muster, was sie bedeuten und welche Aktion passt:
| Fund | Bedeutung | Maßnahme |
|---|---|---|
| 40 Links von .xyz- und .top-Domains ohne organischen Traffic | Linkfarm oder Spam-Netzwerk in größerem Maßstab | Alle auf die Disavow-Liste, Entfernung anfragen, wo Kontaktdaten existieren |
| 15 Links von Domains mit DR 60+ auf 404-Seiten | Viel verschenkte Linkkraft bei starken Links | Seiten per 301 weiterleiten oder Linkgeber um Anpassung der Ziel-URL bitten |
| Exakte Anker („Backlinks kaufen“) von 3 Domains | Klares Muster, das eine manuelle Maßnahme auslösen kann | Alle drei kontaktieren, nach zwei Wochen ohne Antwort Disavow |
| 200 verweisende Domains gegenüber 800, 1.200 und 1.600 beim Wettbewerb | Der Linkrückstand ist die Hauptbremse beim Ranking | Backlink-Gap-Analyse, strukturierte Prospect-Liste aufbauen |
| Plötzlich +350 neue Domains in 5 Tagen, alle schwach | Wahrscheinlich ein laufender Negative-SEO-Angriff | Gesamten Schub entwerten, bei manueller Maßnahme Überprüfung beantragen |
| 90 % der Anker sind der exakte Begriff „Linkbuilding Agentur“ | Systematische Ankertext-Überoptimierung | Mindestens 20 neue Links mit Marken- und generischen Ankern aufbauen |
In dieser Tabellenform lassen sich auch Ergebnisse für Kunden aufbereiten. Aus einem Export mit 10.000 Zeilen wird so ein einseitiger, priorisierter Aktionsplan, den jemand tatsächlich liest.
Backlink Audit Checkliste: Alle Schritte auf einen Blick
Die elf Schritte werden in dieser Reihenfolge abgearbeitet:
- Vollständiges Backlink-Profil aus Ahrefs, Semrush oder Majestic exportieren
- Link-Daten aus der Google Search Console als Gegenprobe ziehen
- Anzahl verweisender Domains und DR mit den drei stärksten Wettbewerbern vergleichen
- Zwölf-Monats-Diagramm neuer und verlorener Domains auf Auffälligkeiten prüfen
- Links filtern: kein organischer Traffic, Spam-TLDs, DR unter 10, falsche Sprache
- Ankertext-Verteilung prüfen und jeden Keyword-Anker über 15 bis 20 Prozent markieren
- Alle 404-Seiten mit eingehenden Links erfassen und nach DR der Linkgeber sortieren
- Entfernungsliste erstellen, Anfragen verschicken und das Versanddatum festhalten
- Disavow-Datei für Nicht-Reagierende bauen und nach zwei bis drei Wochen hochladen
- Wettbewerbs-Lückenanalyse durchführen und eine nach DR, Traffic und Relevanz sortierte Prospect-Liste exportieren
- Nächsten Audit terminieren: quartalsweise, in Risiko-Nischen oder bei aktivem Linkaufbau monatlich
Über 800 SaaS-Marketer tauschen auf LinkForce Partner-, Integrations- und Content-Links.
FAQ zum Backlink Audit
Wie lange dauert ein Backlink Audit?
Bei Websites mit weniger als 5.000 verweisenden Domains dauert ein gründlicher Audit nach Erfahrungswerten 30 bis 90 Minuten. Größere Seiten oder solche mit bekannter Abstrafung, bei der einzelne Links geprüft werden müssen, brauchen zwei bis vier Stunden. Der erste Audit einer Domain kostet immer am meisten Zeit. Danach genügt der Blick auf das, was sich seit der letzten Prüfung verändert hat.
Muss ich jeden schlechten Link entwerten?
Nein. Google wertet die meisten minderwertigen Links automatisch ab und hat das mehrfach öffentlich bestätigt. Das Disavow-Tool sollte Fällen vorbehalten bleiben, in denen klare Anzeichen für unnatürlichen Linkaufbau vorliegen und die Entfernung per Kontaktaufnahme gescheitert ist, vor allem wenn bereits eine manuelle Maßnahme ausgesprochen wurde. Links zu entwerten, die Google ohnehin ignoriert, hat keinen positiven Effekt und erzeugt nur Pflegeaufwand.
Was ist das beste kostenlose Tool für einen Backlink Audit?
Die Google Search Console zeigt eine Auswahl der Links, die Google tatsächlich gecrawlt hat. Sie ist kostenlos und stammt direkt von Google, deckt aber nur einen Teil ab und reicht deshalb allein nicht für einen Audit. Die Ahrefs Webmaster Tools bieten verifizierten Website-Inhabern kostenlos die Backlink-Daten der eigenen Seite. Für den Wettbewerbsvergleich und Trenddiagramme setzen Praktiker meist auf einen kostenpflichtigen Plan von Ahrefs oder Semrush.
Wie unterscheidet sich ein Backlink Audit von einer Backlink-Analyse?
Die Backlink-Analyse ist beschreibend: Sie zeigt, wie das Linkprofil aussieht. Der Audit ist diagnostisch und handlungsorientiert. Er identifiziert Probleme, bewertet Risiken und liefert eine priorisierte Aufgabenliste. Jeder Audit enthält eine Analyse als Teilschritt, geht aber weiter: Entfernungsliste, Rückgewinnungsliste und Liste neuer Chancen sind die eigentlichen Ergebnisse. Die Analyse ist der Anfang, nicht das Ziel.
Wie oft sollte man einen Backlink Audit machen?
Für die meisten Websites genügt ein vollständiger Audit pro Quartal, ergänzt um einen schlanken Monatscheck der neuen verweisenden Domains. Seiten in Branchen mit hohem Spam-Risiko, Seiten nach einer Abstrafung und Seiten mit laufendem Linkaufbau profitieren von monatlichen Vollaudits. Nach einem größeren Google Core Update lohnt sich zusätzlich ein Rückblick von 30 Tagen auf die neuen verweisenden Domains, auch wenn der letzte Audit noch nicht lange her ist.
Sind Backlinks 2026 überhaupt noch wichtig?
Ja. Links gehören weiterhin zu den Signalen, mit denen Google Vertrauen und Relevanz einer Seite einschätzt, und Googles Spam-Richtlinien regeln ausdrücklich, welche Linkpraktiken als Manipulation gelten. Wichtiger als die reine Zahl ist heute die Qualität: Wenige relevante, redaktionelle Links schlagen viele beliebige Verweise. Gerade deshalb lohnt der regelmäßige Audit, denn er trennt Links, die tragen, von denen, die nur im Profil stehen.
